Der neue Film um den britischen Agenten James Bond Quantum of Solace ist an den hohen Erwartungen und an einer für die Bond-Serie neuen Strategie gescheitert, trotz Starregisseur Marc Forster. Dieser Artikel enthält erst einen Abschnitt über was man aus dem Vorgänger wissen muss und dann eine Analyse weshalb der Film, aus cineastischer Sicht, scheitert und welche Elemente trotzdem bemerkenswert sind.
Was zuvor geschah: Casino Royale
Mit dem Vorgänger Casino Royale, der zum ersten mal Daniel Craig in der Rolle des Agenten 007 sah, wurde die Figur des James Bond komplett umgekrempelt: der neue Bond ist nicht mehr der opportunistische Bonvivant, der unverwüstlich und gnadenlos Schurken jagt und gutaussehende Agentinnen mit Schirm, Charme und Martinis flachlegt. Der neue Bond ist ein gebrochener Mann, den die korrupte Welt anwiedert und der in seiner Arbeit eine gewisse Sinnlosigkeit sieht, da sie ja die Welt insgesamt nicht wesentlich besser macht.
So passierte in Casino Royale auch das bis anhin undenkbare: Bond gedenkt seine Agenten-Karriere an den Nagel zu hängen und zwar wegen einer Frau: Vesper Lynd. Sie ist ebenfalls Agentin in der britischen Geheimdienstabteilung MI6 und wird mit Bond auf gemeinsame Mission geschickt – sie verlieben sich und Bond macht ihr einen Heiratsantrag.
Später stellt sich heraus, dass sie erpresst wurde und zur Doppelagentin wurde - als Bond alles entlarvt nimmt sie sich vor seinen Augen das Leben – er muss zusehen wie die Liebe seines Lebens, in einem Fahrstuhl eines versinkenden Hauses eingesperrt, ertrinkt.
Die zweite Folge: Quantum of Solace
Der aktuelle Bond Quantum of Solace knüpft zeitlich an Casino Royales Ende an. Damit wird eine Neuerung in die Bond-Reihe eingeführt: die Geschichte wird zum Fortsetzungsroman. Bonds emotionale Verletzung ist offensichtlich, die Erinnerungen an Vesper Lynd allgegenwärtig. Mit dem Schritt zur Fortsetzung handeln sich die Macher jedoch ziemlich Probleme ein. Denn der Film muss jetzt nicht nur die angefangene Geschichte weiterspinnen, sondern auch noch eine neue Geschichte aufziehen.
Diese neue Geschichte ist konfus erzählt, sie verlagert sich während der äusserst kurzen dauer des Films an verschiedenste Schauplätze in Italien, Österreich, England, Bolivien und Haiti, ist aber im Grunde ziemlich dünn:
[Bonds] Gegenspieler Dominic Greene versucht, den General Medrano als Staatsoberhaupt von Bolivien einzusetzen. Dieser Plan findet die Unterstützung der CIA, welche sich im Gegenzug Ölvorräte für die USA ausrechnet. Als Gegenleistung für seine Hilfe verlangt Greene von Medrano ein scheinbar wertloses Stück Land. Tatsächlich befinden sich dort große unterirdische Wasservorräte, die Greene teuer verkaufen will. Unterirdische Staudämme haben künstlich eine Dürre herbeigeführt.
Quelle : Wikipedia
Diesen Plan gilt es nun zu vereiteln. Das gelingt alles – allerdings erst nach dem Bond eine Reihe von Hindernissen aus den Weg räumt.
Wie dem auch sei. Die Geschichte ist schon fast nebensächlich – der Versuch der Fortsetzung scheitert aber genauso. Fortsetzungen sind fürs Kino ja nicht wirklich bahnbrechend. Dass die Bond Macher auf diese Karte gesetzt haben, hat vermutlich mehr damit zu tun, dass sehr erfolgreiche Serien wie LOST oder Dexter angefangen haben, die dramaturgischen Regeln neu zu definieren. Spannungsbogen sind dort viel komplexer und Figuren können viel vielschichtiger konstruiert werden, als dies in Spielfimen möglich wäre. Die bondsche Übertragung dieser Neuen Regeln scheitert, da weder Bond noch die anderen Figuren aus dem MI6, geschweige denn die Bösewichte, weiterentwickelt werden. Mit der Ausnahme von M (Judy Dench) und Bond bleiben alle platt wie Flundern.
Dass das Serienkonzept nicht funktionieren kann, liegt auch am Grundprinzip, auf dem Serien basieren: Serien die bis zu 24 Episoden pro Staffel haben, besitzen viel mehr Spielraum für dramaturgische Konzepte. Dass diese aber ausgeschöpft werden können liegt auch daran, dass zwischen der Ausstrahlung der Episoden lediglich eine Woche liegt und nicht zwei Jahre wie das bei Bond der Fall ist, zumal bei Bond auch kein Prolog angeboten wird im Stile von “Was bisher geschah”.
Dass Quantum of Solace von Marc Forster inszeniert wurde lässt einen umso mehr wundern, ist doch Forster sonst sehr begabt darin, den Figuren Tiefe und der Geschichte Drive zu verleihen. Was mit Casino Royale sehr viel versprechend angefangen hatte, hätte durch eine Grösse wie Forster zu einem wahren Meisterwerk werden können.
Bemerkenswert scheint mir letzten Endes nur eines: der Schnitt der Actionszenen. Diese sind in einem ungeheuren Tempo zusammengefügt. Es sind schon fast hypnotisierende Kompositionen, in denen man schnell Orientierung und Gespür für Distanzen verliert, doch das macht die Szenen durchaus interessant: die Handlung fliesst und wirkt selten ruppig. Schnell geschnittene Szenen sind ja auch keine sensationelle Neuigkeit – immerhin sind sie aber gut gemacht.
Zum Schluss bleibt noch die Frage: Was genau soll der Rummel, der in der Schweiz zu Anatole Taubmann abgeht. Taubmann der die Figur Elvis spielt, hat kaum Text und ist ziemlich nebensächlich was die Handlung angeht, so dass es doch eher erstaunt wenn er hierzulande als der “Bösewicht” im neuen Bond gehandelt wird. Ist er nicht. Er ist langweiliges Kanonenfutter für die richtigen Bad Guys. Und welchen Teufel Forster geritten haben mag als er sich entschied, dass die einzige Sprechszene Taubmanns ausgerechnet ein Telefonat zwischen ihm und seiner Mutter auf schweizerdeutsch über das heisse Wetter in Haiti sein musste, möchte ich ja nicht im Traum erfahren. Da will man nur noch im Sitz verschwinden, wenn man das hört und ist froh, dass der Rest der Welt die schlecht gespielte Peinlichkeit wenigstens nicht versteht.
Rating 5/10
Trailer:
Tags: Daniel Craig, James Bond, Judy Dench, Marc Forster, Rating 5/10